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Die Untoten: Gruselige Einblicke in ihre Welt

Tote, die nicht ruhen. Menschen, die nach ihrem Tod zurückkehren – als Körper, als Geist, als Mischung aus beidem. Die Faszination für Untote ist so alt wie das menschliche Bewusstsein für den eigenen Tod. In nahezu allen Kulturen der Welt gibt es Überlieferungen von Wesen, die die Grenze zwischen Leben und Tod überschreiten – und die Lebenden damit konfrontieren, dass diese Grenze durchlässiger sein könnte als erhofft.

Was als Untote gilt, ist alles andere als einheitlich. Der nordische Draugr ist ein massiver, stinkender Körper-Untoter. Der haitianische Zombie ist ein Lebender, der seiner Seele beraubt wurde. Der osteuropäische Vampir trinkt Blut und scheut das Licht. Der chinesische Jiangshi hüpft steifbeinig durch die Nacht. Jede Kultur hat ihre eigene Antwort auf die Frage: Was kommt nach dem Tod – und was passiert, wenn es schiefgeht?

Auf dieser Seite geht es um die wichtigsten Untoten-Konzepte verschiedener Kulturen, ihre mythologischen Wurzeln, ihre Gemeinsamkeiten und ihr Weiterleben in der modernen Medienkultur.

Was sind Untote? Grundbegriffe und Kategorien

Untote – verschiedene Typen und Kategorien in der Mythologie

Der Begriff „Untoter“ beschreibt ein Wesen, das biologisch tot ist, aber weiterexistiert – entweder in körperlicher Form oder als Geist, der sich körperlich manifestiert. Im Kern geht es immer um denselben Gedanken: Der Tod ist nicht das Ende, und manchmal kehrt das Gestorbene in einer Form zurück, die bedrohlich, traurig oder unheimlich ist.

Grob lassen sich Untote in drei Kategorien einteilen:


  • Körperliche Untote: Der tote Körper steht auf und handelt. Nordischer Draugr, Zombie, Jiangshi – der Leib selbst ist das Problem. Bestattungsrituale, Verbrennung oder Enthauptung sind die klassischen Lösungen

  • Energetische Untote: Die Lebenskraft des Toten überlebt und ernährt sich von den Lebenden. Klassischer Vampir, bestimmte Geistformen – das Wesen braucht etwas von den Lebenden (Blut, Energie, Atem), um zu überdauern

  • Gebundene Geister: Die Seele kann nicht weiterziehen und bleibt an einem Ort, einer Person oder einem unerledigten Auftrag gebunden. Japanische Onryō, irische Banshee, westliche Poltergeister – sie suchen keinen Körper, aber keinen Frieden

💡 Wissenswertes: In fast allen Kulturen hängt die Entstehung von Untoten mit fehlerhafter Bestattung zusammen. Wer nicht ordentlich bestattet wurde, wer gegen die Gemeinschaft verstoßen hatte oder wer zu früh und gewaltsam starb, galt als Kandidat für die Wiederkehr. Die Bestattungsrituale der Menschheitsgeschichte lassen sich auch als Maßnahmen gegen die Entstehung von Untoten lesen.

Nordische und germanische Untote

Nordische Untote – Draugr und Haugbui in der altnordischen Überlieferung

Die altnordische Überlieferung kennt ein besonders differenziertes System von Untoten, das in den isländischen Sagas des Mittelalters detailliert beschrieben ist.


  1. Der Draugr – körperlicher WiedergängerDer Draugr ist das bekannteste nordische Untoten-Konzept: ein aufgedunsen, blauschwärzlich verfärbter Körper-Untoter von übernatürlicher Stärke, der aus seinem Grab aufsteigt und die Umgebung terrorisiert. Er kann Gestalt wandeln, Wetter beeinflussen und andere Tote erwecken. Wer im Leben geizig, gewalttätig oder böswillig war, konnte als Draugr zurückkehren. Bekannteste Sagenfiguren: Glámr aus der Grettis saga, Þórólfr Bægifótr aus der Eyrbyggja saga.

  2. Der Haugbui – HügelwächterDer Haugbúi ist ortsgebunden: Er verlässt seinen Grabhügel nicht, sondern bewacht ihn und die Grabbeigaben gegen Eindringlinge. Im Unterschied zum aktiv umherziehenden Draugr ist er ein territorialer Wächter – gefährlich nur für den, der in seinen Hügel eindringt. In der Hervarar saga betritt die Heldin Hervor den Hügel ihres Vaters, um das Schwert Tyrfing zurückzufordern.

  3. Die Erschlagenen und ErtrunkenenIn der nordischen Überlieferung galten bestimmte Todesarten als besonders problematisch: ein gewaltsamer Tod, Ertrinken oder ein Tod ohne ordentliche Bestattung schuf Untote-Kandidaten. Die Verbrennung mit anschließendem Verstreuen der Asche ins Meer galt als sicherste Methode, eine Wiederkehr zu verhindern.

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Wer tiefer in die nordische Untoten-Tradition eintauchen möchte, findet im Artikel über die Draugr eine ausführliche Darstellung mit den wichtigsten Sagenbelegstellen.

Der Vampir – von der Folklore zur Ikone

Kein Untoten-Konzept hat die westliche Medienkultur stärker geprägt als der Vampir. Aber der moderne Vampir – elegant, unsterblich, romantisch – hat mit seinen folkloristischen Wurzeln wenig gemein.


  • Slawisch-osteuropäische Folklore (17./18. Jahrhundert): Der frühe Vampir war aufgequollen, blutverschmiert und roch nach Verwesung. Er trieb Vieh in den Tod, erwürgte Schlafende und brachte Seuchen. Berichte aus Serbien und Ungarn – besonders die Fälle Peter Plogojowitz (1725) und Arnold Paole (1727) – lösten in Europa eine regelrechte Vampir-Panik aus

  • „Der Vampir“ von John Polidori (1819): Der erste literarische Vampir als eleganter, aristokratischer Schurke – ein direktes Gegenbild zum bäuerlichen Folklore-Vampir. Polidori schrieb ihn in derselben Nacht wie Mary Shelley ihren Frankenstein

  • „Dracula“ von Bram Stoker (1897): Die kanonische Figur des literarischen Vampirs, die alle späteren Darstellungen geprägt hat. Stokers Dracula verbindet historische Elemente (Vlad III. von der Walachei), osteuropäische Folklore und viktorianische Angstfantasien

  • Moderne Entwicklung: Von Nosferatu (1922) über Interview with the Vampire (1994) bis zu Twilight (2005) und What We Do in the Shadows (2014) – der Vampir hat sich von der Horrorgestalt zur vielschichtigen, oft sympathischen Figur entwickelt

Zombie – von Haiti zur Apokalypse

Zombie – von der haitianischen Folklore zur modernen Apokalypse

Der Zombie ist das jüngste der großen Untoten-Konzepte – und das, das am stärksten von seiner kulturellen Herkunft entfremdet wurde.

Der ursprüngliche haitianische Zombie entstammt dem Vodou-Glauben und ist kein Untoter im klassischen Sinne. Es handelt sich um einen Lebenden, dem durch chemische Mittel (Tetrodotoxin aus dem Kugelfisch ist die bekannteste Theorie) und spirituelle Praktiken das Bewusstsein und der eigene Wille geraubt wurden. Er atmet, bewegt sich, gehorcht – aber er ist nicht mehr er selbst. Der Zombie ist damit eine Metapher für Sklaverei und den Verlust der Selbstbestimmung, nicht für den Tod.

✅ Postives❌ Grenzen
George A. Romeros „Night of the Living Dead“ (1968) erfand den modernen Apokalypse-Zombie als sozialkritische Metapher – für Rassismus, Konsumgesellschaft, MassenhysterieDie Verbindung zum haitianischen Original-Konzept ging dabei völlig verloren
„28 Days Later“ (2002) und „World War Z“ (2013) entwickelten den Zombie weiter: schnell, wütend, virusbedingt – näher an Seuchen-Metapher als an Untoten-MythologieDie Inflation des Zombie-Genres hat das ursprüngliche Schockpotenzial stark abgenutzt
„The Walking Dead“ und ähnliche Werke nutzen Zombies als Hintergrund für Menschlichkeits-Fragen: Was hält Gesellschaften zusammen, wenn alle äußere Ordnung wegfällt?Zombies als Massenphänomen haben die mythologische Tiefe des Untoten-Konzepts vereinfacht
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Asiatische Untote – andere Vorstellungswelten

Die asiatische Mythologie kennt eigene, faszinierende Untoten-Konzepte, die im westlichen Diskurs oft übersehen werden:


  • Jiangshi (China): Der chinesische Vampir-Zombie – ein steifer Leichnam, der hüpfend umhergeht (wegen der Leichenstarre) und den Lebensatem (Qi) der Lebenden absaugt. Entsteht, wenn die Seele den Körper nicht verlassen kann. Bekämpft mit gelbem Talisman auf der Stirn und Reissig

  • Onryō (Japan): Rachegeister – Seelen, die durch Verrat, unerfüllte Liebe oder gewaltsamen Tod zu hasserfüllten Geistern werden. Besonders bekannt durch moderne Horrorfilme: Sadako aus „Ring“, Kayako aus „Ju-On“. Die Onryō sind keine Körper-Untoten, sondern Geistformen von extremer emotionaler Intensität

  • Gashadokuro (Japan): Ein riesiges wandelndes Skelett aus den Knochen von Kriegern, die auf dem Schlachtfeld verhungert sind und deren Hass sich zu einer Entität zusammengeballt hat. Tritt nach großen Schlachten auf

  • Vetala (Indien): In der hinduistischen Überlieferung ein Geist, der Leichen bewohnt und aufrechthält. König Vikramāditya begegnet einem Vetala in der berühmten Vetālapañcaviṃśati – einer Sammlung von 25 Geschichten, die der Vetala erzählt

Untote in der modernen Medienkultur

Untote in moderner Medienkultur – Literatur, Film und Videospiele

Untote sind in der modernen Medienkultur allgegenwärtig – und dabei erstaunlich vielschichtig geblieben:


  1. Literarische KlassikerMary Shelleys „Frankenstein“ (1818) ist der erste große literarische Untote – ein künstlich erschaffener Körper-Untoter, der nach Verbindung und Anerkennung sucht. Bram Stokers „Dracula“ (1897) setzte den Standard für den literarischen Vampir. Beide Werke bleiben kanonisch.

  2. Film und SerieVon „Night of the Living Dead“ (1968) über „Interview with the Vampire“ (1994) bis zu „What We Do in the Shadows“ (2014/2019): Das Untoten-Genre hat sich von reinem Horror zu Sozialkomödie, Charakterstudie und philosophischer Reflexion entwickelt.

  3. VideospieleIn „Resident Evil“, „Dark Souls“, „The Elder Scrolls“ oder „The Witcher“ sind Untote zentrale Spielelemente – oft mit direktem Bezug zu mythologischen Vorbildern. „Dark Souls“ beschäftigt sich intensiv mit dem Konzept des unvollständigen Todes als Fluch.

  4. Literarische NeuinterpretationenWerke wie Max Brooks‘ „World War Z“ (2006) oder Colson Whiteheads „Zone One“ (2011) nutzen den Zombie für ernsthafte gesellschaftliche Analyse. Die Untoten sind hier nicht Selbstzweck, sondern Werkzeug.

Zusammenfassung: Die Faszination für Untote ist keine moderne Erfindung – sie ist so alt wie das menschliche Bewusstsein für den Tod. Was sich verändert hat, ist die Form: Von folkloristischen Schutzmaßnahmen gegen tatsächlich gefürchtete Wiedergänger zu metaphorischen Figuren für gesellschaftliche Ängste.

Was verbindet alle Untoten-Konzepte?

Bei aller Vielfalt gibt es auffällige Gemeinsamkeiten quer durch alle Kulturen:


  • Fehlerhafte Bestattung: Fast immer liegt eine schlechte, fehlende oder ritualwidrige Bestattung an der Wurzel. Die Botschaft: Kümmert euch um eure Toten

  • Unerledigtes im Leben: Schuld, Gier, Wut, unerfüllte Liebe – Untote kehren fast immer mit einem emotionalen Gepäck zurück, das sie nicht loslässt

  • Ansteckung: Viele Untote erschaffen neue Untote – Draugr erwecken Tote, Vampire verwandeln ihre Opfer, Zombies infizieren. Diese Ansteckungsmetapher spiegelt reale Angst vor Seuchen und sozialer Ansteckung

  • Erkennbarkeit trotz Verwandlung: Der Untoter ist noch erkennbar als der Mensch, der er war – das macht ihn so beunruhigend. Ein fremdes Monster ist leichter zu fürchten als jemand, den man kannte

  • Rituelle Lösung: Fast immer gibt es eine spezifische Methode, den Untoten zur Ruhe zu bringen – Verbrennung, Enthauptung, Talisman, Bestattungsritual. Das gibt der Gemeinschaft Handlungsfähigkeit zurück

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Die nordischen Untoten-Konzepte stehen in engem Zusammenhang mit dem, was im Artikel über die keltischen Geister behandelt wird – auch dort finden sich Todesboten, Wiedergänger und Wächter, die zeigen, wie universal die Vorstellung vom nicht ganz abgeschlossenen Tod ist.

Häufige Fragen zu den Untoten


Untote sind Wesen, die biologisch tot sind, aber weiterexistieren – als Körper, Geist oder beides. Fast alle Kulturen der Welt kennen solche Konzepte, von nordischen Draugr über osteuropäische Vampire bis zu haitianischen Zombies und japanischen Onryō. Gemeinsam ist ihnen oft eine fehlerhafte Bestattung oder unerledigtes emotionales Gepäck aus dem Leben.

Der Draugr ist ein nordisch-germanischer Körper-Untoter, der aus eigenem Antrieb aufsteigt und die Umgebung terrorisiert – direkt aus der altnordischen Sagaliteratur. Der Vampir entstammt osteuropäischer Folklore und wurde durch Literatur (Stoker) und Film zur Ikone. Beide sind körperliche Untote, aber mit unterschiedlichen Eigenschaften, Ursprüngen und kulturellen Funktionen.

Der Begriff und das Grundkonzept kommen aus dem haitianischen Vodou – dort bezeichnet er einen Lebenden, dem Wille und Bewusstsein geraubt wurden, nicht einen Toten. Den modernen Apokalypse-Zombie erfand George A. Romero 1968 mit „Night of the Living Dead“ als sozialkritische Horrorgestalt.

Weil der Tod und die Angst vor dem, was danach kommt, universelle menschliche Erfahrungen sind. Untoten-Konzepte kodieren außerdem oft praktisches Wissen (ordentlich bestatten, Tote respektieren) und dienen als Metaphern für gesellschaftliche Ängste wie Seuchen, Kontrollverlust und das Scheitern sozialer Ordnung.

Onryō sind japanische Rachegeister – Seelen, die durch Verrat, unerfüllte Liebe oder gewaltsamen Tod zu hasserfüllten, körperlosen Wesen werden. Sie sind keine Körper-Untoten, sondern emotionale Entitäten. Bekannteste moderne Darstellungen: Sadako aus „Ring“ und Kayako aus „Ju-On“.

Fast immer mit rituellem Wissen: Draugr werden enthauptet und verbrannt, Vampire mit Pfahl und Sonnenlicht, Jiangshi mit gelbem Talisman, Zombies durch Befreiung der gebundenen Seele. Die Existenz solcher Methoden war kulturell wichtig – sie gab der Gemeinschaft das Gefühl, nicht hilflos zu sein.

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  • Beitrags-Kategorie:Mythen
  • Beitrag zuletzt geändert am:2. Juni 2026