Die Valar sind die mächtigsten Wesen in Tolkiens Mittelerde – direkt unter Eru Ilúvatar, dem einzigen Schöpfer, aber weit über allem, was sterblich ist. Sie sind es, die Mittelerde formten, Berge aufwarfen, Meere füllten, Sterne entzündeten. Sie lebten in der Welt, bevor es Elben oder Menschen gab, und ihre Entscheidungen – richtige wie falsche – prägen die Geschichte bis ins letzte Zeitalter.
Vierzehn Valar traten in die physische Welt ein. Manwë und Varda, Ulmo, Aulë und Yavanna, Mandos, Lórien, Nienna, Oromë, Tulkas, Ossë, Uinen – und Melkor, der mächtigste von allen, der sich gegen die anderen wandte und zum ersten großen Feind Mittelerdes wurde.
Wer sind die Valar?
Die Valar sind Ainur – Geistwesen, die Eru Ilúvatar vor der physischen Welt erschuf. Als die Schöpfungsmusik Mittelerde entstehen ließ, traten einige der Ainur in die physische Welt ein, um sie zu formen und zu bewohnen. Diese wurden Valar genannt – die Mächtigen, die Großen. Sie nahmen physische Körper an, beherrschten die Elemente und prägten die Welt nach Ilus Plänen.
Jeder Valar hat einen eigenen Bereich, eine eigene Natur, eine eigene Aufgabe. Manwë regiert die Lüfte und Winde. Ulmo beherrscht alle Gewässer. Aulë ist der Schmied, Yavanna die Hüterin der Pflanzen und Tiere. Mandos kennt die Schicksale aller Wesen. Lórien schickt Träume. Nienna weint um den Schmerz der Welt. Oromë jagt. Tulkas kämpft.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=0GQT3RbS4SY

Die vierzehn Valar im Überblick
| Valar | Bereich | Besonderheit |
|---|---|---|
| Manwë | Lüfte, Winde, Himmel | Oberster der Valar, engster Vertrauter Erus |
| Varda | Sterne, Licht | Gemahlin Manwës, erschuf die Sterne; von Elben am meisten verehrt |
| Ulmo | Alle Gewässer | Lebt allein im Ozean, einziger Valar der aktiv in Mittelerde eingreift |
| Aulë | Erde, Handwerk, Metalle | Erschuf die Zwerge; Sauron war ursprünglich sein Diener |
| Yavanna | Pflanzen, Tiere, Ernte | Gemahlin Aulës, erschuf die Zwei Bäume von Valinor |
| Mandos (Námo) | Schicksale, Tote | Richter der Toten, kennt alle Schicksale |
| Vairë | Zeit, Geschichte | Gemahlin Mandos‘, webt die Geschichte der Welt |
| Lórien (Irmo) | Träume, Visionen | Bruder von Mandos, schickt Träume und Visionen |
| Estë | Heilung, Ruhe | Gemahlin Lóriens, heilt Verwundete und Erschöpfte |
| Nienna | Trauer, Mitleid | Weint um den Schmerz der Welt; Lehrerin Gandalfs |
| Oromë | Jagd, Wälder | Entdeckte die Elben; führt wilde Tiere durch Mittelerde |
| Vána | Jugend, Blumen | Jüngere Schwester Yavannas, Gemahlin Oromës |
| Tulkas | Kampf, Stärke | Stärkster der Valar im Kampf; letzter, der in die Welt eintrat |
| Nessa | Tanz, Hirsche | Schwester Oromës, Gemahlin Tulkas‘ |
Valinor – das Land der Valar
Die Valar wohnen in Valinor – einem Land im äußersten Westen der Welt, jenseits des großen Ozeans. Es ist kein mystischer Ort aus Luft: Es hat Berge, Wälder, Gärten, Seen und Städte. Valmar ist die Hauptstadt, Taniquetil der höchste Berg, auf dem Manwë und Varda thronen.
Valinor ist nicht für Sterbliche zugänglich – jedenfalls nicht in der normalen Welt. Nach dem Untergang Númenors verbargen die Valar die Unsterblichen Lande vollständig, indem sie die Welt rund machten: Von nun an führte jeder Weg geradeaus nach Westen nur in das normale Meer. Nur Schiffe, die von den Valar geleitet werden, finden den Weg dorthin.

Die Valar und ihre Grenzen
Die Valar sind mächtig – aber nicht allmächtig und nicht allwissend. Das ist ein wichtiger Aspekt, den Tolkien bewusst eingebaut hat. Sie können nicht alles vorhersehen. Sie können falsch liegen. Sie können durch Trägheit oder Angst zögern, wenn Handeln nötig wäre.
Das deutlichste Beispiel: die Festhaltung der Elben in Valinor. Die Valar brachten die Elben nach Valinor, um sie zu schützen – aber damit trennten sie auch diejenigen von Mittelerde, die dort vielleicht hätten helfen können. Die Elben, die in Mittelerde blieben, kämpften allein gegen Morgoth. Tolkien zeigt die Valar als gut gemeinte, aber nicht fehlerlose Hüter.

Die Valar und die Geschichte Mittelerdes
Der Einfluss der Valar auf die Geschichte Mittelerdes ist gewaltig – aber oft indirekt. Sie greifen nicht ständig ein. In der ersten Epoche führten sie den Krieg gegen Morgoth und verbannten ihn schließlich in die Leere. In der zweiten Epoche vernichteten sie Númenor, als dessen König mit einer Flotte Valinor angriff. In der dritten Epoche schickten sie die fünf Istari – Gandalf, Saruman, Radagast und die Blauen Zauberer – nach Mittelerde, um den Freien Völkern gegen Sauron zu helfen.
Das Eingreifen der Valar ist immer ein letztes Mittel. Tolkien gestaltet sie als Wesen, die den freien Völkern ihre Freiheit lassen wollen – was bedeutet, dass die Völker selbst kämpfen, scheitern, siegen müssen. Die Valar sind die Wächter im Hintergrund, keine Retter auf Abruf.

Melkor – der gefallene Valar
Melkor – später Morgoth genannt – war der mächtigste der Valar und sein Fall ist das zentrale Trauma der Welt. Er wollte nicht Diener sein, sondern selbst erschaffen, selbst herrschen. In der Schöpfungsmusik streute er Dissonanz ein. In der physischen Welt zerstörte er die Lampen, die Welt zu erhellen, und später die Zwei Bäume von Valinor, die letzten großen Lichtquellen vor Sonne und Mond.
Tolkien macht deutlich: Melkor ist nicht einfach böse geboren. Er ist ein Valar, ausgestattet mit den größten Gaben – und er hat sich entschieden, sie gegen die Schöpfung einzusetzen. Das macht ihn tragischer und bedrohlicher als ein reines Monster.
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