Innerhalb der vierzehn Valar gibt es eine weitere Abstufung: acht, die als besonders mächtig gelten. Tolkien nennt sie die Aratar – auf Quenya etwa „die Erhabenen“ oder „die Hochgestellten“. Sie sind keine eigene Gruppe neben den Valar, sondern eine Untergruppe innerhalb der Valar – diejenigen, deren Macht und Einfluss die anderen übersteigt.
Der Begriff Aratar ist hauptsächlich im Silmarillion bekannt und wird dort nur kurz erläutert. Im Herrn der Ringe selbst kommt er nicht vor – aber die Aratar treten alle als handelnde oder erwähnte Figuren in Tolkiens Gesamtwerk auf.
Die acht Aratar – die mächtigsten der Valar
Tolkien nennt acht Valar als Aratar: Manwë, Varda, Ulmo, Yavanna, Aulë, Mandos, Nienna und Oromë. Was sie von den anderen Valar unterscheidet, ist nicht eine andere Art von Macht, sondern das Ausmaß davon. Die anderen sechs Valar – Vairë, Lórien, Estë, Vána, Tulkas und Nessa – sind nicht schwach, aber ihre Macht und ihr Einfluss auf die Geschichte sind geringer.
- Manwë – Herr der Lüfte und Winde, oberster der Valar, engster Vertrauter Erus. Er sieht am weitesten und versteht Erus Willen besser als jeder andere. Seine Adler sind seine Boten.
- Varda – Herrin der Sterne. Sie erschuf die Sterne neu und entzündete sie zu Beginn des Ersten Zeitalters. Von den Elben als mächtigste der Valar verehrt – ihr Name auf Sindarin ist Elbereth. Gemahlin Manwës.
- Ulmo – Herr aller Gewässer. Er lebt allein im Ozean, hat keine feste Residenz in Valinor und greift aktiver in die Geschichte Mittelerdes ein als die meisten anderen Valar. Durch das Wasser kann er überall hören und sprechen.
- Aulë – Schmied und Handwerker. Schuf die Substanz der Welt, beherrschte Metalle und Steine. In seiner Ungeduld erschuf er die Zwerge, bevor Eru die Elben erweckte – Eru vergab ihm und belebte die Zwerge selbst. Sauron war ursprünglich sein Diener.
- Yavanna – Hüterin der Natur. Sie erschuf Pflanzen, Früchte und Tiere. Ihre größten Schöpfungen waren die Zwei Bäume von Valinor – Telperion und Laurelin – die das Licht der Welt trugen, bevor Melkor und Ungoliant sie zerstörten. Gemahlin Aulës.
- Mandos (Námo) – Herr der Schicksale und Richter der Toten. Er kennt alle Geschicke der Welt, spricht sie aber nur auf Erus Befehl aus. Die Seelen der gestorbenen Elben gehen in sein Haus. Er sprach den Fluch über die Noldor, die Valinor verließen.
- Nienna – Herrin des Mitleids und der Trauer. Sie weint um den Schmerz der Welt und ihre Tränen heilten und reinigten. Gandalf war vor seiner Zeit als Istari ihr Schüler – ihr Mitleid und ihre Weisheit prägen seinen Charakter.
- Oromë – Der große Jäger. Er ritt durch die Wälder Mittelerdes und jagte die Kreaturen Morgoths. Er war der erste der Valar, der die Elben entdeckte, und führte sie auf dem Großen Marsch nach Valinor.

Manwë und Varda – das erste Paar der Aratar
Manwë und Varda sind das mächtigste Paar unter den Valar – ihr Thron auf dem Berg Taniquetil in Valinor ist der höchste Punkt der Welt. Von dort sieht Manwë weiter als jedes andere Wesen, und Varda hört noch das Leiseste. Gemeinsam sind sie die engsten Vertrauten Erus – mehr als alle anderen Valar verstehen sie seinen Willen.
Varda ist es, deren Namen die Elben im Kampf und in der Hoffnungslosigkeit anrufen: Elbereth, Sternenlicht. Das ist kein Zufall – Varda hatte von Anfang an eine besondere Nähe zu den Elben, den Wesen, die unter den Sternen erwachten, die sie entzündet hatte.

Ulmo – der Einzelgänger unter den Aratar
Ulmo ist in vielerlei Hinsicht der ungewöhnlichste der Aratar. Er hat keine feste Gemahlin, keine Residenz in Valmar, keinen Palast. Er lebt allein im Ozean, der die Welt umgibt, und kann durch jeden Fluss, jeden See, jeden Regen hören und sprechen. Kein Ort in Mittelerde, den Wasser berührt, ist außer seiner Wahrnehmung.
Im Silmarillion ist Ulmo einer der aktivsten Valar im Umgang mit den Sterblichen. Er gibt Ratschläge, warnt, greift ein – oft ohne dass man ihn sieht. Er erscheint in Visionen, spricht durch Musik, leitet Schiffe. Seine Sorge gilt besonders den Elben und Menschen, die an den Küsten und Flüssen leben.

Aulë und Yavanna – Schöpfer und Hüterin
Aulë und Yavanna sind in gewisser Weise Gegenpole: Aulë schafft aus toter Materie, Yavanna hütet das Leben. Aulë ist der Schmied – er formte die Substanz der Welt, beherrschte Metalle und Steine, lehrte die Elben viele Handwerksfertigkeiten. Seine größte Eigenschaft ist sein Schaffensdrang – der ihn auch zur Erschaffung der Zwerge führte, einem Akt, den Eru zunächst missbilligte, dann aber doch zuließ.
Yavanna erschuf die Pflanzenwelt und die Tierwelt Mittelerdes. Ihre mächtigste Schöpfung waren die Zwei Bäume von Valinor – Telperion, silbern, und Laurelin, golden. Diese Bäume trugen das Licht der Welt, bevor Sonne und Mond existierten. Als Melkor und Ungoliant sie zerstörten, war das einer der dunkelsten Momente der Geschichte – und der Beginn einer neuen Epoche.

Mandos und Nienna – Schicksale und Trauer
Mandos ist der Richter der Toten – alle gestorbenen Elben gehen in sein Haus, das Mandos am westlichen Ende der Welt liegt. Er spricht Schicksale aus und kennt alle Geschicke – aber er tut es nur auf Erus Geheiß. Sein Fluch über die Noldor – das Volk der Elben, das Valinor verließ, um Morgoths Silmaril zurückzuholen – ist einer der bedeutendsten Momente des Silmarillion: eine gerechte, aber erschütternde Prophezeiung über das Leid, das sie erwartet.
Nienna ist die Trauernde. Sie weinte mehr als jede andere – nicht aus Schwäche, sondern weil sie die Last des Schmerzes der Welt trägt. Ihre Tränen flossen in den Brunnen der Valar und hatten heilende Kraft. Gandalf, der als Olórin ihr Schüler war, trägt etwas von ihr: das Mitleid mit dem Elend der anderen, das ihn trotz aller Müdigkeit weitermachen lässt.

Die Aratar und Melkor
Melkor hätte der mächtigste aller Aratar sein sollen – er war mit den größten Gaben ausgestattet, mächtiger als Manwë selbst. Aber er fiel. Er wollte nicht dienen, sondern herrschen, nicht erschaffen nach Erus Plan, sondern nach eigenem Willen. In der ersten Epoche vernichteten die Aratar schließlich sein Reich – aber der Preis war hoch, und Melkor hinterließ Wunden in der Welt, die nie vollständig heilten.
Der Konflikt zwischen den Aratar und Melkor ist das strukturierende Ereignis der ersten Epoche Mittelerdes. Alles, was danach kommt – Saurons Aufstieg, die Ringe der Macht, der Krieg des Herrn der Ringe – hat seine Wurzeln in diesem ersten, kosmischen Kampf.
Die Aratar sind das, was in Tolkiens Mythologie am nächsten an Götter herankommt – ohne echte Götter zu sein. Sie sind mächtig, sie formen die Welt, sie kennen ihre Geschichte. Aber sie sind nicht allmächtig, nicht allwissend, und nicht unfehlbar. Und genau das macht sie faszinierend.
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