Nazgûl ist das Schwarzsprachenwort für sie – zusammengesetzt aus „nazg“ (Ring) und „gûl“ (Geist, Gespenst). Schwarze Reiter nennt man sie auch, oder Ringgeister, oder einfach die Neun. Was immer man wählt, es beschreibt dasselbe: neun Wesen, die einst Menschen waren und nun zu Saurons gefürchtetsten Dienern gehören. Ihre bloße Anwesenheit verbreitet Lähmung. Ihr Schrei ist eine Waffe.
Als Figuren stehen die Nazgûl im Herrn der Ringe für eine bestimmte Art von Bedrohung: nicht die rohe Kraft von Orks oder Trollen, sondern etwas Älteres, Kälteres und Schwerer zu Greifendes. Sie sind die Vergangenheit, die nicht ruht.
Wie die Nazgûl aussehen – und was man wirklich sieht
In der normalen Welt sieht man die Nazgûl als in schwarze Umhänge gehüllte Gestalten auf dunklen Pferden. Kein Gesicht. Keine erkennbaren Gliedmaßen. Nur Schwärze und die Ahnung einer Form darunter. Das liegt daran, dass ihre Körper längst verblasst sind – sie existieren als Geister, und die schwarzen Gewänder sind das einzige, was ihnen noch eine sichtbare Gestalt gibt.
Wer jedoch den Einen Ring trägt, sieht sie anders: mächtige Geistergestalten in Rüstungen und Kronen, mit bleichen Gesichtern und glühenden Augen. Das ist ihre eigentliche Erscheinung – Könige, die einmal waren. Tolkien nutzt diesen Kontrast bewusst: Was für die meisten Menschen formlose Furcht ist, offenbart sich dem Ringträger als das, was es wirklich ist.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=Os_d4MsjVsU

Fähigkeiten und Waffen der Nazgûl
Die Nazgûl kämpfen mit Schwertern, Speeren und in späteren Phasen des Krieges auf geflügelten Wesen – in der Filmtrilogie als Fellbestien dargestellt, in Tolkiens Büchern als nicht näher beschriebene dunkle Kreaturen. Aber ihre gefährlichste Fähigkeit ist keine Waffe im physischen Sinne.
- Der schwarze Atem: Allein ihre Nähe verbreitet Furcht, Hoffnungslosigkeit und Lähmung. Tolkien bezeichnet diesen Effekt als „Black Breath“ – wer ihm zu lange ausgesetzt ist, verfällt in dunkle Träume, aus denen er ohne Hilfe nicht mehr erwacht. Éowyn und Faramir werden beide davon betroffen.
- Der Morgulklingen-Dolch: Eine vergiftete Klinge, die beim Eindringen Splitter im Körper hinterlässt, die sich zum Herzen vorarbeiten. Frodo wird auf Weathertop damit getroffen. Das Ziel des Gifts ist die Verwandlung des Opfers in einen Geist – bereit für den Dienst unter Sauron.
- Der Schrei: Der Schrei der Nazgûl lähmt und desorientiert. Besonders der Hexenkönig setzt ihn als Waffe ein. In der Schlacht auf den Pelennor-Feldern bricht sein Schrei Théodens Pferd zusammen.
- Unsichtbarkeit: In der Welt des Schattens – dort, wo der Ringträger den Ring anlegt – sind die Nazgûl vollständig präsent und sichtbar. In der normalen Welt können sie sich bewegen, ohne gesehen zu werden.
Die Jagd auf den Einen Ring – von Hobbiton bis Weathertop
Als Sauron erfährt, dass der Eine Ring im Besitz eines Hobbits aus dem Auenland ist, schickt er sofort die Neun los. Die Nazgûl reiten als Schwarze Reiter durch das Auenland, fragen nach „Beutlin“, und jagen Frodo und seinen Begleitern bis zur Furt des Bruinens hinterher. Es ist eine Verfolgung über Wochen, durch Wälder, Dörfer und schließlich ins Gebirge.
Auf Weathertop – den Ruinen eines alten Wachturms – greifen sie an. Der Hexenkönig trifft Frodo mit dem Morgulklingen-Dolch, bevor Aragorn sie mit Feuer vertreibt. Auf der Furt des Bruinens werden ihre Pferde von Elronds Flut weggerissen – aber die Nazgûl selbst überleben, finden neue Reittiere und setzen ihren Auftrag fort.

Der Hexenkönig von Angmar – der mächtigste der Neun
Nicht alle Nazgûl sind gleich. Der Hexenkönig von Angmar ist der erste unter ihnen – mächtiger, gefürchteter, mit einem eigenen Reich im Dritten Zeitalter. Er war König von Angmar, einem finsteren Königreich im Norden, das über Jahrhunderte Gondor bedrohte. Er war es, der die nördlichen Reiche der Menschen zerstörte, bevor er schließlich in der großen Allianz besiegt wurde.
Im Herrn der Ringe führt er das Heer Mordors in der Schlacht auf den Pelennor-Feldern. Sein Ende ist eines der dramatischsten Momente des Buches und Films: Éowyn enthüllt sich als Frau – „Kein lebender Mann bin ich“ – und tötet ihn gemeinsam mit Merry, der ihn zuvor mit einem besonderen Waffenstück verletzt hatte.

Schwächen der Nazgûl
So mächtig sie sind – die Nazgûl haben klare Schwächen, die Tolkien sorgfältig in seine Geschichte eingebaut hat. Fließendes Wasser hält sie auf – oder zumindest ihre Pferde. Feuer schreckt sie zurück, weshalb Aragorn auf Weathertop Fackeln einsetzt. Das Licht der Elben, besonders das Licht von Eärendils Stern, das Galadriel in ihrem Phiälchen aufbewahrte, schwächt sie. Und das Wichtigste: Alle ihre Macht ist an Sauron und den Einen Ring gebunden. Mit der Vernichtung des Rings hören sie auf zu existieren.
| ✅ Postives | ❌ Grenzen |
|---|---|
| Peter Jacksons Verfilmung gibt den Nazgûl eine visuelle Präsenz, die Tolkiens Prosa nur andeuten kann – ihr Schrei, ihre Bewegungen, ihre geflügelten Reittiere sind eindrucksvoll umgesetzt | Im Film werden die Nazgûl gelegentlich zu reinen Actiongegnern reduziert – ihre psychologische Wirkung, der Black Breath, kommt weniger zur Geltung als im Buch |
| Die Weathertop-Szene ist im Film besonders gelungen – die Bedrohung ist spürbar ohne zu zeigen, was wirklich unter den Kapuzen steckt | Die geflügelten Reittiere der Nazgûl im Film sind nicht kanonisch beschrieben – Tolkien lässt ihre genaue Natur offen, der Film entschied sich für eine konkrete Darstellung |

Die Nazgûl sind das vielleicht beste Beispiel dafür, was Tolkien am besten konnte: eine Bedrohung erschaffen, die nicht aus Stärke besteht, sondern aus dem, was fehlt. Kein Gesicht, keine Stimme, kein eigener Wille. Nur die Kälte, die kommt, wenn sie näher reiten.
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