Ghostbusters II von 1989 ist in vielerlei Hinsicht anders als der erste Film. Nicht schlechter – anders. Der erste Teil hatte ein klares Geister-Konzept: eine Hierarchie, einen Endgegner, ein Ritual. Der zweite Teil stellt eine ungewöhnlichere Frage: Was, wenn das eigentliche Monster nicht ein Geist ist, sondern die kollektive schlechte Stimmung einer ganzen Stadt? Der rosa Schleim unter New York – empfindlich für menschliche Emotionen, angetrieben von Hass und Frustration, gesteuert von einem mittelalterlichen Tyrannen im Gemälde – ist eine der originellsten Geisterwelt-Ideen des gesamten Franchises.
Dabei vergisst der Film seine eigentliche Aufgabe nicht: beeindruckende Geister zu liefern. Und genau das tut er.
Alle Geister in Ghostbusters II (1989)
- Vigo der Karpatianer – Darsteller: Wilhelm von Homburg, Stimme: Max von Sydow
- Die Scoleri-Brüder – Tony Scoleri und Nunzio Scoleri, dargestellt von Jim Fye
- Slimer – zurückkehrender Geist, Stimme wieder: Ivan Reitman
- Titanic-Geister – kurzer Cameo: das Geisterschiff Titanic läuft im Hafen ein
- Geister-Jogger – ein laufender Geist im Hintergrund New Yorks, ebenfalls Jim Fye
- Diverse freigesetzte Geister – durch den rosa Schleim aktiviert, terrorisieren sie die Stadt
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=GvhW2dY_MtM
Vigo der Karpatianer – der Hauptantagonist
Vigo von Homburg Deutschendorf – so sein vollständiger Name im Film – war ein mittelalterlicher Tyrann, der im 17. Jahrhundert über Karpathien herrschte. Er war für seine Grausamkeit berüchtigt und soll mit okkulten Mächten in Verbindung gestanden haben. Sein letzter Satz vor dem Tod war eine Drohung: Er werde zurückkehren. Und so geschah es – als Geist, gefangen in einem lebensgroßen Gemälde, das im Völkerkundemuseum von New York landet.

Vigos Plan ist präzise: Er braucht einen Kindskörper, um in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Seine Wahl fällt auf Oscar, das Baby von Dana Barrett. Dafür instrumentalisiert er Janosz Poha (Peter MacNicol), den Restaurator des Museums, der sich in Dana verliebt hat. Und er nährt sich am rosa Schleim unter der Stadt – der negativen Energie von Millionen frustrierter New Yorker.
Dargestellt wurde Vigo von Wilhelm von Homburg, einem deutschen Schauspieler, der in der Realität als Profiboxer Norbert Grupe bekannt war. Seine Körperpräsenz und das furchteinflößende Erscheinungsbild waren perfekt – doch seine Stimme wurde ohne sein Wissen durch Max von Sydow ersetzt, was zu einer der unangenehmeren Hinter-den-Kulissen-Geschichten der Franchise-Geschichte gehört. Vigo gilt dennoch als einer der stärksten Antagonisten der gesamten Reihe.
Vigo ist kein Gott wie Gozer – er ist ein Mensch mit einer Seele voller Hass, der nach Jahrhunderten immer noch nicht loslassen kann. Das macht ihn auf eine andere Art bedrohlich: nachvollziehbar in seiner Bösartigkeit.
Die Scoleri-Brüder – der spektakulärste Gerichtssaal-Auftritt
Einer der unterhaltsamsten Geister-Momente des gesamten Franchises spielt sich in einem Gerichtssaal ab. Die Ghostbusters stehen vor Gericht, weil sie gegen das Verbot, Geister zu jagen, verstoßen haben. Als Beweismittel bringt Ray eine Probe des rosa Schleims mit – und der reagiert prompt auf die wütenden Beschimpfungen des Richters.
Aus dem Nichts materialisieren sich Tony und Nunzio Scoleri: zwei Mörder, die einst von demselben Richter zum Tode verurteilt wurden und jetzt als Geister zurückkehren, um Rache zu nehmen. Sie sind groß, aggressiv und auf direktem Weg zum Richter – der panisch die Ghostbusters um Hilfe anfleht. Ein perfekter dramaturgischer Trick: Die Geister geben den Ghostbusters ihre Lizenz zurück.
Beide Scoleri-Brüder wurden von Jim Fye dargestellt, der im Film noch weitere Geister-Kostüme übernahm. Die Szene ist eine der technisch aufwändigsten des Films und bis heute einer der Höhepunkte von Ghostbusters II.
Der rosa Schleim – kein Geist, aber das Herzstück des Films
Technisch gesehen ist der rosa Schleim kein Geist im klassischen Sinne – aber er ist das entscheidende übernatürliche Element des Films. Unter den Straßen New Yorks fließt ein riesiger Strom dieser psychokinetischen Substanz, die auf menschliche Emotionen reagiert und sie verstärkt. Negative Energie – Wut, Hass, Frustration – nährt ihn. Positive Energie hingegen kann ihn neutralisieren.
Diese Idee ist eine der klügsten des gesamten Franchises: New York City als eine Maschine, die die schlechte Stimmung ihrer Bewohner in übernatürliche Energie umwandelt. Vigo nutzt diesen Schleim als Energiequelle für seinen Rückkehrplan.
Das Finale nutzt dieselbe Logik in die andere Richtung: Die Ghostbusters versorgen die Freiheitsstatue mit positivem Schleim und setzen sie buchstäblich in Bewegung – ein Symbol für positive kollektive Energie, das durch die Straßen Manhattans marschiert.
Slimer – jetzt mit eigenem Namen
Slimer kehrt in Ghostbusters II zurück und ist diesmal sogar namentlich erwähnt – den Namen hat er aus der Zeichentrickserie The Real Ghostbusters (1986) mitgebracht. Im zweiten Film wohnt er bereits im Feuerwehrhaus der Ghostbusters als inoffizielles Maskottchen. Er übernimmt sogar kurz das Steuer des Ecto-1 – eine der komischsten Szenen des Films, als Louis Tully im Ghostbusters-Kostüm neben einem Ecto-1 steht, der von Slimer gefahren wird.
Titanic und Geister-Jogger – die vergessenen Cameos
Zwei kurze, aber denkwürdige Geister-Erscheinungen am Rande: Die Titanic läuft als Geisterschiff im New Yorker Hafen ein – mit Geistern an Bord, die 77 Jahre zu spät ankommen. Ein Hafenarbeiter kommentiert trocken: „Besser spät als nie.“ Und irgendwo in New Yorks Straßen joggt ein Geist-Läufer vorbei, unbeachtet von allen außer den Zuschauern.
Beide Momente haben keine Handlungsfunktion – sie zeigen nur, dass der rosa Schleim seine Wirkung entfaltet und überall in der Stadt übernatürliche Energie freigesetzt wird.
Vigo gegen Gozer – zwei sehr verschiedene Antagonisten
| ✅ Postives | ❌ Grenzen |
|---|---|
| Vigo ist ein nuancierter Antagonist mit eigenem Hintergrund und klar definierter Motivation – menschlicher als Gozer | Vigo hat im Vergleich zur Bedrohung wenig direkte Screentime – er sitzt die meiste Zeit im Gemälde |
| Die Scoleri-Brüder sind einer der spektakulärsten Geister-Auftritte der Reihe – komisch und bedrohlich zugleich | Die Geister-Auswahl insgesamt ist überschaubarer als im ersten Film |
| Der rosa Schleim als emotionsgetriebenes übernatürliches Element ist eine originelle, konzeptuell starke Idee | Das Finale mit der Freiheitsstatue ist spektakulär inszeniert, aber dramaturgisch weniger konsequent als das Marshmallow-Finale des Originals |
Ghostbusters II ist der Film, der New York selbst zum Antagonisten macht – eine Stadt, deren kollektive schlechte Laune buchstäblich Monster gebiert. Das ist eine stärkere Idee als viele Geister, die man je in einem Film gesehen hat. Und Vigo der Karpatianer, der sie orchestriert, ist ein würdiger – wenn auch andersartiger – Nachfolger von Gozer.
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