Er trägt einen Cowboyhut. Er hat keine Nase mehr. Und er ist seit etwa 270 Jahren am Leben – obwohl „am Leben“ in seinem Fall eine sehr dehnbare Kategorie ist. Cooper Howard, der Ghul in der Amazon-Serie Fallout, ist eine der ungewöhnlichsten Figuren, die das postapokalyptische Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat: ein ehemaliger Hollywoodschauspieler, der den Atomkrieg überlebte, mutierte, und seitdem als Kopfgeldjäger durch die Ödnis streift.
Walton Goggins spielt ihn. Das erklärt einiges.
Wer ist Cooper Howard – vor und nach dem Atomkrieg
Vor dem Krieg war Cooper Howard ein Filmstar. Westernheld, Vault-Tec-Werbemaskottchen, Verkörperung des amerikanischen Traums in einer Zeit, in der dieser Traum langsam zu bröckeln begann. Die Serie zeigt seine Geschichte in Rückblenden – ein Schauspieler, der anfing zu bemerken, dass die Firma, für die er Werbung machte, mehr wusste über den kommenden Krieg als sie zugab.
Was dann folgte, veränderte alles. Der Atomkrieg. Die Strahlung. Die Verwandlung. 270 Jahre später sitzt der Mann, der einmal Vault-Tec-Plakate zierte, in der Ödnis und jagt Kopfgelder. Zynisch, pragmatisch, gelegentlich erschreckend brutal. Und doch – da ist noch etwas. Etwas, das Goggins in jeder Szene trägt, ohne es auszusprechen: die Erinnerung an den Mann, der er war.
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Was Ghule im Fallout-Universum sind
Das Fallout-Universum – zuerst als Videospielreihe von Bethesda etabliert, nun auch als Serie – kennt Ghule seit dem ersten Teil. Sie entstehen durch Strahlenbelastung: Menschen, die den Atomkrieg überlebten und mutierten, statt zu sterben. Die Veränderung ist körperlich dramatisch – die Haut verfällt, die Haare verschwinden, die Nase geht verloren – aber im Inneren können sie vollständig erhalten bleiben.
Intelligente Ghule sind genau das: intelligent. Sie denken, sprechen, erinnern sich. Manche haben Jahrhunderte gelebt und tragen das Wissen dieser Zeit in sich. Cooper Howard ist das extremste Beispiel: Er erinnert sich an die Welt vor dem Krieg, an eine Zeit, die für alle anderen Figuren der Serie nur Geschichte ist.
Zivile Ghule und Feral-Ghule – ein wichtiger Unterschied
Nicht alle Ghule bleiben intelligent. Das Fallout-Universum unterscheidet zwischen zwei grundlegenden Typen, und dieser Unterschied prägt die gesamte Dynamik der Serie:
- Intelligente Ghule: Sie haben ihre geistigen Fähigkeiten bewahrt. Sie können denken, sprechen, entscheiden. Sie leben in Gemeinschaften oder als Einzelgänger, versuchen sich in einer Welt zurechtzufinden, die sie oft nicht als gleichwertig betrachtet. Cooper Howard gehört zu dieser Gruppe – ein Extremfall, der nach 270 Jahren noch immer klar denkt.
- Feral-Ghule: Irgendwann verlieren manche Ghule den Verstand. Was bleibt, ist ein instinktgesteuertes, aggressives Wesen – schnell, zäh, gefährlich. Feral-Ghule greifen Menschen sofort an und sind in der Ödnis eine der häufigsten Bedrohungen.
- Leuchtende Ghule: Eine seltene Variante, die vor radioaktiver Energie strotzt. Sie leuchten im Dunkeln und können Strahlungswellen einsetzen. Meist feral, gelegentlich intelligente Ausnahmen.
Die Serie fügt eine interessante Wendung hinzu: Cooper Howard muss regelmäßig eine Substanz inhalieren, um nicht zu verwildern – eine Serienerfindung, die von der Spiellore abweicht, aber dem Charakter eine zusätzliche Verletzlichkeit gibt. Die genaue Zusammensetzung bleibt in Staffel 1 unklar.

Walton Goggins – warum die Besetzung so gut funktioniert
Walton Goggins ist kein Newcomer im Western-Genre. Durch seine Arbeit in Quentin Tarantinos Filmen und Serien wie Justified hat er eine Präsenz entwickelt, die den Ghul trägt: das Charisma eines Mannes, dem man zuhört, auch wenn er Dinge sagt, die einem nicht passen. Cooper Howard ist moralisch eindeutig kein Held – er tötet, er lügt, er handelt aus Eigeninteresse. Und trotzdem ist er faszinierend.
Das liegt an der Ambiguität, die Goggins in jede Szene bringt. Wenn Cooper Howard einen alten Film mit sich selbst als Cowboy betrachtet – in Folge 4 der ersten Staffel – dann sieht man in seinem Gesicht nicht einen Monster, das sich an vergangene Zeiten erinnert. Man sieht einen Mann, der nicht versteht, wie er von dort zu hier kam.

Der Hund – eine menschliche Seite
CX404 ist ein Labrador-Mischling, den Dr. Siggi Wilzig in der Enklave vor der Einschläferung bewahrte. Cooper Howard heilt ihn in Folge 2 mit einer Stimpak-Injektion und bildet eine Bindung zu dem Tier. In der Rückblende erfährt man, dass Howard schon vor dem Krieg Hunde liebte und über Vault-Tecs Hundeverbot frustriert war.
Es ist ein kleines Detail – aber es ist das Detail, das Cooper Howard von einem reinen Antihelden zu einer Figur mit echter emotionaler Tiefe macht. Am Ende von Staffel 1 lässt er den Hund zurück, als er mit Lucy weiterzieht. Was das für Staffel 2 bedeutet, bleibt offen.
Ghule als Spiegel der Gesellschaft
Das Fallout-Universum nutzt Ghule nicht nur als Monster oder Verbündete – sie sind eine Metapher. In einer Welt, die nach einem Atomkrieg neu sortiert, spiegeln Ghule die Frage wider, wer als Mensch gilt und wer nicht. Viele Gemeinschaften in der Ödnis diskriminieren Ghule offen, behandeln sie als Untermenschen, obwohl viele von ihnen klüger und erfahrener sind als ihre Verächter.
Cooper Howards Geschichte macht das persönlich: Hier ist ein Mann, der einst das Gesicht der Vorkriegsgesellschaft war. Jetzt ist er das, was diese Gesellschaft als Monster bezeichnet.

Ghule im Spiel vs. in der Serie
| ✅ Postives | ❌ Grenzen |
|---|---|
| Die Serie gibt Ghulen durch Cooper Howard eine emotionale Tiefe, die das Spiel in dieser Form nicht erreicht – sein Vor-Krieg-Hintergrund ist ein origineller Ansatz | Die Substanz, die Cooper inhalieren muss, um nicht zu verwildern, gibt es in den Spielen nicht – Puristen kritisieren diese Abweichung von der etablierten Lore |
| Feral-Ghule sind in der Serie visuell eindrucksvoll umgesetzt – schnell, bedrohlich, glaubwürdig als Gefahr in der Ödnis | Die Serie erklärt wenig über die Mechanismen der Ghulifizierung – Zuschauer ohne Spielhintergrund müssen vieles erschließen |
| Goggins‘ Darstellung macht Cooper Howard zu einer der am meisten diskutierten Figuren der Serie insgesamt | Coopers genaue Vorgeschichte und seine Rolle in den Vault-Tec-Verschwörungen bleiben in Staffel 1 noch offen |

Cooper Howard ist das überzeugendste Argument dafür, dass Fallout als Serie mehr ist als eine Videospiel-Adaption. Er ist eine Figur, die das Genre auf eigene Weise neu definiert – und die zeigt, dass 270 Jahre Überleben einen hohen Preis haben.
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