Wer nach Drehorten zum „Gespenst von Canterville“ sucht, stolpert schnell über einen hartnäckigen Irrtum: Das Werk hat nichts mit Canterbury zu tun. Es heißt Canterville – ein fiktiver Ortsname, erfunden von Oscar Wilde. Und die Frage, wo die verschiedenen Verfilmungen gedreht wurden, führt nicht nach Canterbury, sondern in die Grafschaften Hertfordshire und Buckinghamshire – und in die Studios der englischen Filmindustrie.
Der kurze Artikel klärt auf, was wirklich wo gedreht wurde – und warum die Verwechslung zwischen Canterville und Canterbury so verständlich wie hartnäckig ist.
Canterville oder Canterbury – warum die Verwechslung passiert
Die Ähnlichkeit der Namen ist unübersehbar: Canterville, Canterbury. Beide klingen englisch, beide klingen nach alten Steinen und Nebel. Kein Wunder, dass die Suchanfrage „Gespenst von Canterbury“ regelmäßig auftaucht – gemeint ist fast immer „Das Gespenst von Canterville“.
Wildes fiktives Canterville Chase – das alte Landhaus, in dem Sir Simon de Canterville seit 1584 umhergeistert – existiert nicht. Es ist eine Kulisse, die er sich ausgedacht hat. Für die Verfilmungen mussten die Produktionsteams deshalb echte Anwesen und Studios als Ersatz finden.
Der Drehort der bekanntesten Version – Knebworth House
Die am häufigsten gesehene Verfilmung – die Hallmark-Produktion von 1996 mit Patrick Stewart als Sir Simon de Canterville – wurde an einem der bekanntesten Herrenhäuser Englands gedreht: Knebworth House in Hertfordshire.
Knebworth House ist seit 1490 im Besitz der Familie Lytton – und gilt selbst als eines der geisterhaftesten Häuser Englands. Eine treffendere Kulisse für das Gespenst von Canterville hätte man kaum finden können.
Knebworth House liegt etwa 30 Kilometer nördlich von London. Das Herrenhaus ist bekannt für seine neogotische Fassade aus dem 19. Jahrhundert – Türme, Wasserspeier, verwinkelte Gänge. Genau die Atmosphäre, die Canterville Chase braucht. Zusätzlich zu den Außenaufnahmen in Knebworth wurden Innenszenen in den Pinewood Studios in Buckinghamshire gedreht, einem der bedeutendsten Filmstudios Englands.
- Knebworth House, Hertfordshire – Hauptdrehort für Außenaufnahmen des fiktiven Canterville Chase. Das Herrenhaus ist seit 1490 in Familienbesitz und hat eine ausgeprägte neogotische Fassade. Es gilt selbst als haunted und hat eine lange Geschichte als Filmkulisse.
- Pinewood Studios, Buckinghamshire – Für Innenszenen. Die Pinewood Studios sind eines der wichtigsten Filmstudios Englands, bekannt u.a. durch die James-Bond-Produktionen. Hier wurden viele der Schlossinterieurs nachgebaut.
Was über die anderen Verfilmungen bekannt ist
Für die älteren Verfilmungen sind die genauen Drehorte weniger gut dokumentiert.
Die Version von 1944 mit Charles Laughton (Regie: Jules Dassin) war eine MGM-Produktion und wurde größtenteils in den MGM-Studios in Hollywood gedreht – mit aufwändig nachgebauten Innenräumen. Die englische Atmosphäre wurde im Studio erzeugt, nicht an Originalschauplätzen.
Die britische Fernsehproduktion von 1986 mit John Gielgud wurde in England produziert, die genauen Drehorte sind jedoch nicht öffentlich dokumentiert. Typisch für britische TV-Produktionen dieser Zeit ist die Nutzung echter Herrenhäuser als Kulisse.
Für den Animationsfilm von 2023 entfällt die Frage nach realen Drehorten naturgemäß.
Warum die Wahl der Drehorte so wichtig ist
Canterville Chase ist in Wildes Erzählung eine ganz bestimmte Art von Ort: alt, schwer, von Geschichte durchtränkt. Ein Ort, der das Gewicht von dreihundert Jahren in seinen Wänden trägt. Das ist der Grundkonflikt mit der pragmatischen amerikanischen Familie Otis – sie zieht in ein Haus, das Vergangenheit atmet, und behandelt es wie einen Neubau.
Knebworth House erfüllt diese Anforderungen perfekt. Es ist kein Museum, kein Disneyland-Schloss – es ist ein wirklich altes, bewohntes Anwesen mit echter Geschichte. Dass es auch eigene Geistergeschichten hat, macht es zum idealen doppelten Spiegelbild der Vorlage.
Ein Ort, zwei Namen – was bleibt
| ✅ Postives | ❌ Grenzen |
|---|---|
| Knebworth House bietet als echter historischer Ort eine authentische Atmosphäre, die kein Studiobau ersetzen kann | Die meisten Innenaufnahmen entstanden dennoch in Studios – das echte Anwesen ist nur die Fassade |
| Die Wahl eines wirklich alten, bewohnten Herrenhauses spiegelt den Kern des Werks wider: Vergangenheit, die nicht loslässt | Für Fans, die den Drehort besuchen möchten, ist Knebworth House öffentlich zugänglich – aber nicht als Canterville-Attraktion vermarktet |
| Pinewood Studios als ergänzender Drehort steht für höchste Produktionsqualität der englischen Filmindustrie | Die Verwechslung mit Canterbury sorgt für anhaltende Verwirrung in Suchanfragen |
Wer also auf der Suche nach den Spuren von Sir Simon de Canterville ist, muss nicht nach Canterbury fahren – sondern nach Hertfordshire. Knebworth House empfängt Besucher das ganze Jahr über. Und wer sich dort etwas Stilles zwischen den alten Mauern vorstellt, liegt vielleicht gar nicht so falsch.
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